Schwanenkinder – oder: was möchtest DU fotografieren?

Schwanenfamilie

In diesem Beitrag verrate ich dir, was du beachten musst, wenn du dich am Anfang deines Hobbys für eine Motivart entscheidest, welche Anforderungen Fotos für Fotobücher haben und ein paar Besonderheiten für die Tierfotografie. Was das alles mit einander zu tun hat? Lies einfach weiter, dann wirst du schon sehen!

Was möchstest Du mit Deiner Fotografie erreichen?

Angenommen, du hast dir eine Kamera gekauft und möchtest mit deinem neuen Hobby so richtig durchstarten. Doch wo anfangen? Das Feld der Betätigungsmöglichkeiten ist riesig!

Möchtest du irgendwann einmal großartige Bilder machen, die in einer Fotocommunity in die Galerie gewählt werden, die perfekt aussehen und anderen Fotografen die Neidperlen auf die Stirn treiben?

Dann ist die Spezialisierung auf eine Motivart das Richtige für dich. Es ist egal, welches Motiv deine Liebe erhält: Tiere (vielleicht sogar eine ganz spezielle Art), Portraits, Landschaften, Naturereignisse, was du willst. Dann rate ich dir: lies alles, was du von dieser Sparte in die Finger bekommen kannst! Schau dir Tutorials von den besten Fotografen an und folge ihren Ratschlägen! Es kann passieren, dass sich dein ganzes Leben nur noch um deine Fotografie dreht, weil du den Motiven hinterher reisen wirst oder du dich auf die Lauer nach deinem Protagonisten legst. Vielleicht wirst du dir ein Studio einrichten oder mieten, Models finden oder dgl. mehr. Dann entwickelst du dich zu einem Spezialisten. Aber pass auf: so mancher Fotograf entwickelt sich zum Nerd und das nervt deine Freunde vielleicht.

Wenn du dich partout nicht für eine Motivart entscheiden kannst, weil dir alles so gut gefällt, dann geht es dir wie mir. Hier kann ich dir nur raten: gib dir Zeit. Du kannst unmöglich alles in kurzer Zeit lernen und perfekt wirst du auf maximal einem Gebiet. Du wirst viele Dinge ausprobieren: Techniken, Motivarten, Stile. Es braucht eine Weile, bis du deinen Stil gefunden hast.

Wenn du dich in meiner Galerie umgesehen hast, stellst du fest, dass die Bilder sehr unterschiedliche Stile haben. Das ist in 12 Jahren Übung gewachsen. Einige Bilder davon würde ich so heute nicht mehr machen. Aber sie sind Teil meiner Entwicklung und so wird es auch bei dir sein.

Da ich kein Spezialist sondern ein Allrounder geworden bin, lasse ich das Thema über die Galeriebild-Fotografen einmal links liegen.

Du wirst irgendwann einmal darauf kommen, eine geeignete Präsentationsart für deine Fotos zu finden. Wenn du ein Themenbuch gestalten möchtest (also alles andere als ein Portfoliobuch) dann gibt es hier ein paar Besonderheiten zu beachten.

Das Besondere an Bildern für Fotobücher

Meine Bilder sollen heute z.B. „nur noch“ komplexe Geschichten in Büchern erzählen können, angereichert mit Texten. Da vertragen sich 30 – 40 herausragende Galeriebilder nicht. Sie mögen es nicht, die Aufmerksamkeit des Betrachters mit anderen Bildern und Texten teilen zu müssen. In Themenbüchern muss es auch Bilder geben, die eine Untermalung des Inhales darstellen und sich nicht in den Vordergrund drängeln. Ansonsten fühlt sich solch ein Buch unausgewogen an. Und von dieser Sorte „Hintergrund“-Bilder benötigst du oft mehr als du glaubst. Deine Festplatte wird einige Highlights enthalten, aber die große Mehrzahl der Bilder sind Durchschnitt.

Wozu du diese Bilder trotzdem gebrauchen kannst?

Ich gebe Dir ein erstes Beispiel:
Für mein erstes Fotobuch konnte ich nicht alle Bilder selbst machen. Es ging um meinen Alltag als LKW-Fahrerin erzählt über ein Jahr. Dazu benötigte ich einen Raubvogel von der Art, wie sie oft am Straßenrand sitzen und auf Beute lauern. Aber allen Bildern, die ich finden konnte, sah man an, dass die mit perfekter Technik und Präzision aufgenommen worden waren. Solch ein perfekt scharfes Hochglanzfoto von einem Falken wäre total unglaubwürdig gewesen in meinem Fotobuch. Ich musste lange suchen nach einem Bild, der perfekt das wiedergab, was ich beim Fahren fühlte, wenn ich einen tollen Raubvogel sah.

Und so gibt es viele Beispiele, wofür man in Fotobüchern Bilder benötigt, die für sich gesehen unscheinbar sind, im Zusammenspiel mit anderen Bildern aber plötzlich perfekt passen.

Weil wir gerade bei der Tierfotografie sind, hier Beispiel Nr. 2 was direkt zu den….

Besonderheiten in der Tierfotografie

…..überleitet.

Von mir wissen meine Freunde, dass ich gern die Entwicklung von Dingen darstelle, sogenannte „Making of´s“. Inzwischen habe ich ein Fable dafür, auch Entwicklungsstufen in der Natur abzubilden.

Die Bilder 3+4 mit den ziemlich halbstarken Schwanenteenagern sind als erstes in dieser Reihe und sehr spontan entstanden. Ich fand sie schön aber entwicklungsfähig. Ich wollte die ganz kleinen Schwäne fotografieren um zu zeigen, wie sich Schwäne entwickeln in den Teichen von Stralsund.

 

Schwanenfamilie

Schwäne

 

Hier kommt Besonderheit 1 ins Spiel, wenn du solche Dinge für dich planst: Du musst dich nach der Natur richten, kannst die Zeit für ein Projekt nicht planen, wie es dir passt. Nachdem die Schwanenteenager flügge geworden waren, musste ich also ein Jahr warten.

In diesem Fall musste ich über zwei Jahre warten, denn die Schwäne kamen im letzten Jahr nicht an ihren Platz.

Zweite Besonderheit: du musst die Eigenarten des Tieres studieren, das du fotografieren möchtest. Das hieß in meinem Fall: mit offenen Augen durch die Natur gehen. Vielleicht sogar ein Buch darüber lesen. Das sparte ich mir, ich bin in der Beziehung etwas faul.

Als ich im Frühling das Schwanennest entdeckt hatte, war für mich allergrößte Aufmerksamkeit und Deutung von Beobachtungen geboten. Es war mir aufgefallen, dass der Schwanenvater an der alten Lagerstelle aufgetaucht war und die Lage sondierte. Das alles bevor die Kleinen geschlüpft waren. Die Schwäne lagern mit ihrem watschelnden Nachwuchs an einer völlig anderen Stelle, als sie die Eier ausbrüten.

Dann musste ich das Nest so oft besuchen, bis die Küken geschlüpft waren. Ansonsten warte ich und warte und die sind schon woanders hin abezogen. Hier kam mir ein Zufall zu Hilfe: Eine befreundete Fotografin hatte beobachtet, wie die Schwanenfamilie vom Nestteich zum Lagerteich umgezogen war incl. einer Überquerung der großen breiten Straße, die zwischen den beiden Teichen verläuft.

Aus der vergangenen Schwanensaison, aus der das Beitragsbild stammt, wusste ich noch die Zeit, wann ich die Familie sich am Ufer des Teiches ausflugsfertig macht. Ich nahm am nächsten Tag meine Kamera mit zum Joggen und hatte Glück. Oder nein, das war kein Glück, es war gute Beobachtung und Schlussfolgerung. Nun kommt noch Besonderheit 3, bovor die Bilder im Kasten waren: Niemals auch nur ein einziges Tier der Familie außer Acht lassen. Die Schwanenväter werden zur rasenden Furie, wenn sie ihre Kleinen in Gefahr wähnen. Das kann schmerzhaft enden für den Fotografen.

Und weil das so ist, bleibt einem nichts als ein genügend großer Sicherheitsabstand. Damit sind wir bei Besonderheit 4: Immer mit einem Teleobjektiv arbeiten (außer bei Maktoaufnahmen natürlich). Dann bekommst du sogar noch einen schönen freigestellten Hintergrund, wenn du Glück hast.

Diese vier Bilder werden nun Teil meines neuen Fotobuches über Stralsund und sich dort an der richtigen Stelle toll machen. Und meine Leser wissen: das ist wieder ein typisches „Making-Of“ von Gabi.

Und egal für welche Arten von Fotografie du dich entscheidest: deine Bilder werden toll und einzigartig werden, auch wenn sie nicht perfekt sind. Du musst nur dein Auge so schulen, dass du immer genau das abbildest, was du in einer Szene siehst. Dein fotografisches Sehen ist das Allerwichtigste überhaupt in der Fotografie, mehr als deine Kamera. Was deine Bilder ausdrücken, hat sehr viel mit dir zu tun: wer und was du bist, wie du denkst und wie du die Welt für dich interpretierst. Spätestens wenn andere ein Bild von dir irgendwo zu sehen bekommen und wissen: das hat der Felix gemacht, dann hast du deinen Stil gefunden, der dich unverwechselbar macht.

Also dann: finde deine Motive und deinen fotografischen Stil!
Und lass dich nicht vom Schwan in den Hintern beißen!

Deine Gabi

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